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"Graffitiprojekt"

Graffitiprojekt am Leipziger Tanztheater und am Moritz-Hof –
Ein Projekt für und mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen des Stadtteils Lößnig


Ausgehend von unserem regelmäßigen Kontakt zu verschiedenen Lößniger Jugendgruppen, entstand gemeinsam mit Jugendlichen des Stadtteils die Idee, ihr Interesse an der HipHop Kultur und im speziellen an Graffiti, gewinnbringend für alle Akteure des Stadtteils Lößnig einzusetzen.

Unsere Ausgangslage:

  • viele verschmierte Wände im Stadtteil
  • viele über diesen Zustand verärgerte Hausverwaltungen
  • viele über diesen Zustand verärgerte Bewohner des Stadtteils
  • viele Jugendliche des Stadtteils mit Lust zur Gestaltung größerer Flächen
Wir führten daraufhin gemeinsam mit den Jugendlichen eine Begehung des Stadtteils durch. Es wurden Wände bzw. Flächen aufgenommen, welche zum entsprechenden Zeitpunkt stark verschmiert waren und sich aufgrund ihrer Lage und Größe für eine Neugestaltung anbieten würden. Mit den Verwaltern der entsprechenden Gebäude nahmen wir Kontakt auf und stellten unsere Idee vor. Um die beabsichtigte Neugestaltung der geeigneten Wände / Flächen zum Erfolg für alle Beteiligten werden zu lassen, holten wir den Graffitiverein ins Boot. Dieser Verein führte bereits viele ähnliche Graffitiprojekte in ganz Leipzig durch.
Um die Genehmigung zur Umgestaltung der Wände zu erhalten, kam viel Arbeit auf die beteiligte Jugendlichen zu. Es wurden Ideen gesammelt und Entwürfe mussten entwickelt werden, welche die Jugendlichen schließlich den Auftraggebern - der Stadt Leipzig/Liegenschaftsamt und der Verwaltung des Moritz-Hofes – präsentierten. Nach einigen Nachverhandlungen bekamen wir letztlich grünes Licht von beiden Auftraggebern.

"Die 4 Elemente" (Tanztheater) und "Respekt" (Moritz-Hof) lauteten die Themen für die Gestaltung der Wände.

Mitte 2007 konnte es dann losgehen. Das Graffitiprojekt wurde in einen theoretischen und praktischen Teil gegliedert. Im theoretischen Teil setzten sich die beteiligten Jugendlichen an insgesamt 16 Nachmittagen zu Themen wie: Graffiti - Kunst oder illegale Sachbeschädigung, Akzeptanz gesellschaftlicher Normen und Wert sowie Respekt auseinander. Im Zuge dieser theoretischen Auseinandersetzung entstand eine Installation der Jugendlichen, welche in Form eines 3D Graffitischriftzuges im Eingangsbereich des Moritz-Hofs ausgestellt wurde. Die Reaktionen und Meinungen der Besucher des Moritz-Hofes auf dieses Kunstwerk(?) waren uns wichtig. Wie stehen die Bewohner des Stadtteils zu Graffiti? Über einen bereitgelegten Ordner konnten sich die Betrachter der Installation zum Kunstwerk(?) selber, aber auch zum Thema Graffiti im Allgemein äußern. Diese Meinungsäußerungen wurden wiederum zur Grundlage für weitergehende Diskussionen im Workshop gemacht und flossen letztlich thematisch in den Gestaltungsentwurf ein.

Die 4 Elemente und Respekt
Im März 2008 startete Teil 1 der praktischen Umsetzung. An nur einem Wochenende wurde bei schönstem Wetter die Fläche am Leipziger Tanztheaters gestaltet. Thema der Arbeit: die 4 Elemente.
Die Arbeiten an der sehr viel größeren Fläche des Moritz-Hofes starteten am 21.04.2008 und wurden innerhalb einer Woche beendet. Auch hier spielte das Wetter mit. Der Graffitiverein war täglich mit 2 Sprayern vor Ort und unterstützten die Lößniger Sprayer mit Hinweisen und Tipps zu gestalterischen wie technischen Fragen. Neben der Möglichkeit, sich an einer großen Fläche ausprobieren zu können, konnten die beteiligten Jugendlichen so neue Techniken probieren und erlernen.
Nach 5 Tagen mit viel Spaß, Musik und Bratwürsten wurde die Wand (Thema "Respekt") am Samstag, den 26.04.2008 festlich eingeweiht. In Kooperation mit dem Management des Moritz-Hof planten die Lößniger Jugendlichen ein Straßenfest zum Thema HipHop. Mit den Tipptop Dancern des FZZ Paradise, mit DJ Liquid, Marcelemcy und den "BeatGeez"- einer Breakdancegruppe der Musikschule Johann Sebastian Bach feierten die Jugendenlichen mit Lößniger Anwohnern die Fertigstellung "ihrer" Wand.
Die positiven Effekte des Graffitiprojektes sind sehr vielfältig. Die Jugendlichen setzten sich intensiv mit dem Thema Graffiti im Spannungsfeld zwischen illegaler Handlung / Sachbeschädigung an Privateigentum und der Ausdrucksform einer Jugendkultur auseinander. Über viele Diskussionen, in denen sie Respekt vor ihrer Jugendkultur einforderten, gelangten sie zu neuen Einsichten bezüglich des Respekts gegenüber dem Eigentum Dritter sowie des Respekts gesellschaftlicher Normen im Allgemeinen.
Zentraler Gedanke des Projektes war die Einbindung der Lößniger Jugendlichen in die aktive Gestaltung ihres Lebensumfeldes. Die Jugendlichen des Stadtteils erhielten so die (für sie seltene) Möglichkeit, durch Einbringung ihrer spezifischen Interessen und Fähigkeiten ihre unmittelbare Umgebung in ihrem Sinne gestalten zu können. Diese Möglichkeit zur Beteiligung an der Gestaltung ihres Stadtteils vermittelte den beteiligten Jugendlichen das Gefühl, im Stadtteil wahr- und ernstgenommen zu werden. Statt Ablehnung und Ausgrenzung ihrer Jugendkultur erleben die Jugendlichen Teilhabe und Anerkennung.
Ein weiterer positiver Aspekt des Projektes liegt in der optischen Aufwertung der gestalteten Flächen und somit des Stadtteils. Einmal gestaltete Wände und Flächen werden in der Szene üblicherweise respektiert und sind so dauerhaft vor neuen Schmierereien geschützt. Hierin liegt ein gewichtiger positiver, auch wirtschaftlicher Aspekt für die Verwalter der entsprechenden Gebäude sowie die Bewohner des Stadtteils Lößnig.