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Sachinformation Täter-Opfer-Ausgleich


Zielgruppe
Kriterien
Zielsetzung
Methoden-Ablauf
Zugang
Voraussetzungen + praktische Umsetzung

Der Täter-Opfer-Ausgleich ( TOA ) ist eine Möglichkeit, eine Straftat als einen „ sozialen Konflikt " außergerichtlich durch Kommunikation zwischen den Beteiligten konstruktiv und kooperativ zu bearbeiten und beizulegen oder zumindest zu entschärfen.

Der TOA wird durchgeführt auf der Grundlage der §§ 45, 47 JGG in Verbindung mit § 105, 109 JGG, wenn er auf Diversion ausgerichtet ist,
  • auf Grundlage des § 10 JGG, wenn er als Weisung durch den Richter auferlegt oder
  • auf Grundlage des § 15 JGG, wenn er als richterliche Auflage ausgesprochen wird.
Zielgruppe
Als Zielgruppe gelten jugendliche und heranwachsende Straftäter aus dem Anwendungsbereich des JGG und die bei diesen Straftaten jeweils Geschädigten.

Aus präventiver Sicht werden nach Möglichkeit auch noch strafunmündige Kinder in einen TOA einbezogen.
Kriterien, (wesentliche) für die Anwendung eines TOAs sind:
Das Opfer sollte eine „ natürliche Person " sein. Denkbar ist auch, dass Personen stellvertretend für eine Organisation oder Körperschaft deren Opferinteressen wahrnehmen.
  • Der Täter muss geständig sein.
  • Der TOA sollte seiner Konzeption zufolge sowohl für den Täter als auch für den Geschädigten Angebotscharakter haben.

    TOA sollte aufgrund seiner rückfallvermeidenden Ausrichtung sowohl bei Erst-, als auch Wiederholungstätern Anwendung finden. ( ausgenommen der Fälle, die nach bisheriger Praxis wegen Geringfügigkeit folgenlos eingestellt werden könnten ).

    Es werden prinzipiell alle Deliktbereiche erfasst, wobei eine Begrenzung in der menschlichen Zumutbarkeit und Belastbarkeit der jeweils Betroffenen sowie in der sachlichen Regelbarkeit liegt.
  • Zielsetzung
    Der TOA dient der gleichwertigen und gleichberechtigten Tatverarbeitung und Tatbewältigung bezüglich des Tatvorfalls, dahinterstehender Konflikte, Ursachen, Motive, Auslösefaktoren, begleitender Emotionen, sowie sozial akzeptabler Alternativen.

    Des weiteren bildet der TOA den Rahmen für eine einvernehmliche Regelung bezüglich der u.U. angezeigten materiellen Schadenswiedergutmachung.

    Zielsetzung hinsichtlich des weiteren Verfahrensverlaufes sind in Übereinstimmung mit den gesetzlichen Regelungen:

  • evtl. Verzicht des Opfers auf weitere Strafverfolgung und Zivilverfahren und
  • evtl. Einstellung des Strafverfahrens oder Strafminderung.


  • Damit bietet der TOA die Möglichkeit, Opferbelange im Rahmen der Strafverfolgung stärker zur Geltung zu bringen und Tätern, die von ihnen verletzte Norm zu verdeutlichen und strafende Reaktionen entbehrlich zu machen bzw. abzumildern.
    Methoden / Ablauf
    Mit Täter und Opfer werden zunächst Einzelgespräche durchgeführt, wobei zuerst mit dem Täter Kontakt aufgenommen wird. In diesen wird u.a. abgeklärt, ob eine Bereitschaft zum TOA vorliegt, welche persönlichen Vorstellungen zur Regulierung bestehen, wie die Situation nach der Tat aussah und welche Sichtweisen auf das Geschehene existieren.

    In dem Ausgleichsgespräch besteht die Möglichkeit sich über die unterschiedlichen Sichtweisen auf die Tat auszutauschen, über die Situation nach der Tat ( vor allem die der Opferseite ) ins Gespräch zu kommen, Konflikte aufzuarbeiten und eine einvernehmliche Regelung bezüglich der Schadenswiedergutmachung zu finden.

    Aufgabe des Vermittlers in allen Gesprächen ist es, den Beteiligten zunächst genügend Raum zu geben, um ihre eigene Sichtweise zu beschreiben, Erwartungen, Vorstellungen und auch Befürchtungen zu äußern.

    Des weiteren sollte er genaue Informationen zum Verfahren der TOAs geben und seine Rolle als Vermittler klären.

    Insbesondere im Ausgleichsgespräch ist es Aufgabe des Vermittlers eine konstruktive Auseinandersetzung zu fördern, die sowohl den Konflikt berücksichtigt aber auch beiden Seiten einen Weg zeigt, in positiver Form damit umzugehen. Den Beteiligten muss die Möglichkeit gegeben werden, ihre eigenen Ideen bezüglich einer Wiedergutmachung zu diskutieren und mit Hilfe des Vermittlers auf ein Ergebnis hinzuarbeiten, welches durch den Vermittler schriftlich festgehalten wird.

    Aufgabe des Vermittlers ist es außerdem, den Kontakt zu allen Verfahrensbeteiligten herzustellen, die Wiedergutmachungsabwicklung zu überprüfen und gegebenenfalls auch weitere Hilfsmöglichkeiten anzubieten.
    Zugang
    Der Zugang zum TOA erfolgt vornehmlich über die Jugendgerichtshilfe, Staatsanwaltschaft und das Amtsgericht. Des weiteren wird auch Selbstmeldern die Möglichkeit eines TOAs, unter Absprache mit den Verfahrensbeteiligten, eingeräumt.
    Voraussetzungen / praktische Umsetzung
    Der TOA wird in den Räumen des Jugendhaus Leipzig e.V. von drei MitarbeiterInnen mit spezieller Zusatzausbildung MediatorInnen durchgeführt.

    Für die materielle Schadenswiedergutmachung steht mittellosen Jugendlichen / Heranwachsenden ein Opferfonds zur Verfügung ( ausschließlich aus Bußgeldern finanziert ), aus dem ein zinsloses Darlehen gewährt oder fiktiv Geld erarbeitet werden kann.

    Zu dem arbeitet das Projekt mit einem niedergelassenen Rechtsanwalt zusammen, der zwecks Jugendberatungen sowohl den Betroffen als auch den Mitarbeitern des Projektes zur Verfügung steht.